Kleine Geschichte des Hauses

Obstgarten, preußischer Marstall, gehobenes Taxiunternehmen, Familienwohnsitz und schließlich Ferienwohnungen – der Winzerhof ist historisches Terrain! Die vielen Aufs und Abs der jüngeren deutschen Geschichte lassen sich an ihm sehr gut ablesen. An vielen Stellen sind historische Details erhalten, die vom wechselvollen Werdegang des Anwesens erzählen.

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Das Anwesen um 1930:

Der Vorbesitzer baute hier eines der ersten Potsdamer Taxiunternehmen auf. Am Giebel zum Nachbarhaus sind die zugehörigen Garagen erkennbar. Heute befinden sich dort die Ferienwohnungen Sello, Saltzmann und Eyserbeck.

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1930er Jahre:

Vorbesitzerin Else Pasch mit Bruder und Hund im Vorgarten der Birkenstraße 9. Die Obstbäume stehen heute noch.



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Etwa 1935:

Vorbesitzerin Else Pasch posiert in einem - offenbar nagelneuen - Opel 1397. Zu dieser Zeit gehörten nachweislich auch die Prinzen der Hohenzollern zu den Kunden des Taxibetriebs. Im Hintergrund ist die heutige Ferienwohnung Remise zu sehen.

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1940er Jahre

Bis zu sieben Taxis bewirtschaftete das Unternehmen. Nach Kriegsende wurden alle Autos konfisziert. Das Foto zeigt einen russischen Offizier vor einem Opel P4 - vermutlich unmittelbar vor dem Abtransport. Im Hintergrund die heutige Ferienwohnung Foerster.


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1984:

Jüngster Familienzugang: Ein Trabbi - offenbar für die ganze Familie ein großes Ereignis.

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Nach der Wende:

Die untere Etage des Haupthauses wurde als Marstall errichtet. Das Taxiunternehmen richtete hier später eine Werkstatt ein. Nach der Wende erfolgte der Umbau zu Ferienwohnungen. Das Foto zeigt einen Blick in die heutige Ferienwohnung Lenné.

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2006: Der Winzerhof feiert seinen Einstand

Die Hausherren Sabine und Dr. Klaus Winzer bei der Einweihung der Ferienwohnungen Lenné, Foerster und Pückler.

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Der Winzerhof Potsdam heute

Das Foto zeigt einen Blick auf den Winzerhof von der Straße aus. Zu sehen ist die Ferienwohnung Foerster mit zugehöriger Hofterrasse. Auf der rechten Seite ist die Eingangstür zur Ferienwohnung Remise erkennbar.

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19. Jahrhundert: Vom Obstgarten zum Marstall

Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich die Nauener Vorstadt - zwischen barocker Altstadt und Neuem Garten - zu einem Wohngebiet für Adlige und wohlhabende Bürger, oft Angestellte des preußischen Kaiserhofes, Offiziere oder Rittmeister. Wo sich zuvor Wein- und Obstgärten ausdehnten, beherrschten von nun an repräsentative und oft prachtvolle Herrenhäuser das Straßenbild. Schauen Sie hinter diese Villen, finden Sie dort Gärtnerhäuser und ehemalige Stallungen. Zwei dieser Wirtschaftsgebäude bilden heute den Winzerhof Potsdam.

Das kleinere Gebäude ist ein typischer Stallbau mit dünnen Klinkerwänden, Holzbalkendecke und Pultdach über dem Heuboden. Das Hauptgebäude ist dagegen sehr massiv ausgeführt, mit dicken Klinkermauern und so genannten Preußischen Kappen (zwischen Stahlträgern gemauerten Gewölben). In der oberen Etage - mit Oberlichtern im Flachdach - hatte ursprünglich ein Maler sein Atelier; unten bestimmten noch Pferde und Kutschen das Bild. Vermutlich war die obere Etage zusammen mit dem heutigen Eingang und dem Treppenhaus bereits um 1900 angebaut worden. Nächste Bauetappe war das Satteldach, bis 1981 noch mit Schiefer gedeckt.

1920er Jahre: Vom Mar­stall zum Taxi­unternehmen

Als Vorbesitzer ist uns der Fuhrunternehmer Wilhelm Pasch bekannt, der aus Mönchengladbach stammte und zuvor Schirrmeister unter Paul von Hindenburg war. Pasch hatte das Anwesen in den 1920er Jahren gekauft und hier eines der ersten Potsdamer Taxiunternehmen gegründet. Dafür ließ er Tore in die Fassaden brechen und richtete im Haupthaus eine Autowerkstatt ein. In die 1930er Jahre datieren wir den Anbau zur Straße hin. Die alten Giebelfenster wurden zu Türen, das neue Dach zum Dachgarten.

Mit nur einem Fahrzeug und etwas Benzingeld hatte Wilhelm Pasch sein Geschäft begonnen, sollte jedoch schon bald überaus erfolgreich sein. Mit den Jahren kamen bis zu sechs Autos hinzu - vom gediegenen Opel 1397 über den zweisitzigen Hanomag bis zum luxuriösen Wanderer. Zu Wilhelm Paschs Stammkunden zählten wohlhabende Bürger aus Potsdam und Berlin sowie - das geht aus seinen Aufzeichnungen hervor - auch die Prinzen der Hohenzollern, die noch bis 1944 im nahegelegen Schloss Cecilienhof residierten.

Nach Kriegsende war auch die Birkenstraße 9 zeitweise von russischen Offizieren besetzt; alle Autos wurden konfisziert. Mühsam baute Wilhelm Pasch das Geschäft wieder auf und führte es in kleinerem Rahmen bis in die 1960er Jahre weiter. Nach seinem Tode 1974 lebte seine Witwe, Else Pasch, bis 1980 allein in diesem Haus. Else Pasch verstarb 1980 und vererbte das Grundstück ihrem Neffen Walter Schulz, der es wiederum an seine Tochter Sabine, die heutige Hausherrin, weitergab.

1980er Jahre: Vom Taxi­betrieb zum Familien­wohnsitz

Als wir, die Familie Winzer, das Anwesen übernahmen, befand es sich noch immer im Zustand der 1930er Jahre. Unter den Bedingungen realsozialistischer Planwirtschaft - in der DDR herrschte akuter Material- und Handwerkermangel - geriet die Sanierung zum Abenteuer. Improvisationstalent, Phantasie und ein sehr langer Atem waren gefragt. Der gesamte Bekanntenkreis legte Hand an und half, das Anwesen in einen familiengerechten Zustand zu bringen. Zu Weihnachten 1980 zogen wir mit unserem zweijährigen Sohn Tim-Erik hier ein; im Jahr darauf kam Jan-Erik zur Welt.

2006: Der Winzerhof Potsdam eröff­net einige der schöns­ten Ferien­wohn­ungen der Region

Nach dem Fall der Mauer erfolgte der Umbau des Nebengebäudes - heute die Ferienwohnung Remise - in ein Büro. Dabei entstand auch das Lichtband zum Hof hin. Mit den neuen bundesbürgerlichen Freiheiten entdeckten wir das Reisen für uns. Wir machten uns auf, die alten Bundesländer und das europäische Ausland kennenzulernen. Ob beim Skifahren in den österreichischen Alpen oder Weintouren an der Main-Schleife – meist wählten wir Ferienwohnungen als Unterkunft und lernten dabei eine Vielzahl liebevoller Gastgeber kennen. Die Idee lag nahe, auch die Birkenstraße 9 zu einem ganz persönlichen Feriendomizil zu machen.

Im Jahr 2004 öffneten wir zunächst die Ferienwohnung Remise für unsere Gäste. Die Resonanz war überwältigend und so entschieden wir, auch das Erdgeschoss des Hauptgebäudes zu Ferienwohnungen umzugestalten. Im Sommer 2006 war es dann soweit: Der Winzerhof Potsdam gab seinen Einstand. Entstanden sind die Ferienwohnungen Lenné, Foerster und Pückler. Bei der Restaurierung war es uns ein Anliegen, den Geist des Hauses zu bewahren. Und so sind an vielen Stellen historische Details erhalten geblieben, wie beispielsweise die Preußischen Kappen im Flur oder das Eisenfenster im Eingang. Die Klinkerwände in den Schlafzimmern der Ferienwohnungen Lenné und Foerster sind eine alte Hausaußenwand. Ein Garagentor hängt weiter in seinen Angeln, und an einigen Stellen finden Sie noch heute die originalen Befestigungsringe für die Reitpferde.


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Text: Dr. Klaus Winzer